Die frühlingshaft dekorierte Fassade des stattlichen Landhauses südlich der Autobahnabfahrt Grafenstein schien uns freundlich anzulächeln, die Liebenswürdigkeit in Person empfing und betreute uns – kurz: Schon das Entrée gestaltete sich viel versprechend. Die Speisekarte war mit vier Hauptgängen zwar ungewöhnlich knapp gehalten, aber in dieser selbst auferlegten Beschränkung erwies sich Roman Pichler, der seine höheren gastronomischen Weihen in Wien empfangen hatte, als wahrer Meister: Die in jeder Hinsicht makellose Performance begann mit Consommé Moritz, einer auf den ersten Blick überladen wirkenden Kombination von Kräuterfrittaten sowie getrüffelten Grießnockerln mit Wachtelei und Carpaccio, die jedoch ein erstaunlich harmonisches Geschmackserlebnis vermittelte, gipfelte in einem der besten Lammrücken, die uns je untergekommen sind, wozu die genialen Aromen der Humusbeilage (Kichererbsenpüree) wunderbar passten, und endete würdig mit einem köstlichen Birnenstrudel samt hausgemachtem Amarettoeis. Qualität vor Quantität charakterisierte auch die Weinauswahl, bei der wir auf einen hervorragenden Merlot von Setzer (Hohenwart) stießen.
Moritz Anja-Margaretha Moritz
Französische Butter, Salz aus der Kalahari, mit Lorbeerblättern verfeinertes Olivenöl und ein Glas Prosecco – so könnte eigentlich jeder Abend des Lebens beginnen. Das kleine, familiär geführte Restaurant Moritz bot, untermalt von Frank Sinatras Songs, heuer aber noch einige zusätzliche Highlights. Das Carpaccio wurde mit Lardo aus der Toskana und einer schmackhaften Selleriecreme serviert und die Bärlauchgnocchi mit dem ersten Spargel der Saison. Das Kärntner Ritschert – Rollgerste mit Bohnen – schmeckte angenehm nach Selchfleisch und sättigte auch seinem Wesen entsprechend. Das Rindersteak wurde von der Küche zwar nicht wie geordert rare gebraten, sondern schon etwas über medium, angesichts der verwendeten Qualität und des Geschmackes dieses Fleischstückes hätte es aber auch locker in einem US-Steakhouse reüssieren können. Das abschließende Schokoladeeis wurde mit verdauungsförderndem Kardamom verfeinert, schmeckte somit angenehm scharf-süß und war von einer ausgezeichneten Waldhonig-Crème-brûlée begleitet. Die Weinkarte hält leider wenig Unbekanntes bereit, hier täte mehr Mut zu Neuem sicher gut.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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