Jahr für Jahr wird Küchenchef Michael Sicher attestiert, dass er sich auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft befindet, und jedes Mal beweist er, dass er es noch eine Spur besser, noch einen Hauch kreativer kann. Ein Besuch in diesem Unterkärntner Tempel der Küchenkunst ist daher immer wieder eine Erfahrung, über die wir mit Freude berichten wollen. Im Zentrum des Geschehens natürlich der Saiblingskaviar, für den die Sichers weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind und der in immer wieder neuen Varianten zum Einsatz kommt. So etwa bei einem aromatisch fein abgestimmten Tatar vom Schwein mit Schaffrischkäse, aber auch in der spannenden Sicher'schen Interpretation von Käsnudeln, einem Kärntner Küchenklassiker, hier kongenial ergänzt durch Rote-Rüben-Schaum und Gurkenrahm. Als besonderer Gag wird zwischendurch mit exotischen Kräutern aus dem eigenen Garten experimentiert, die kombiniert für Aha-Erlebnisse sorgen, die wir nicht im Vorhinein verraten wollen. Wer sich dann partout nicht für einen bestimmten Fisch entscheiden kann, findet mit einer Huchen- und Saiblingsrolle als Hauptgang ein Angebot vor, das in jeder Hinsicht zu gut ist, als dass man es ablehnen könnte. Das Dessert, ein Topfen-Amaranth-Soufflé mit Rhabarberkompott klingt schließlich nach Reformhaus, erwies sich bei unserem Besuch jedoch als süße Sünde, die zwar nicht vollständig mit den übrigen Meisterwerken mithalten konnte, was aber als Jammern auf hohem Niveau zu verstehen ist.
Sicher Alfons Sicher
Mit bewundernswerter Konstanz behauptet sich der in einem idyllischen Feuchtbiotop unterhalb von Tainach angesiedelte Familienbetrieb schon jahrzehntelang im Spitzenfeld der heimischen Gastronomie. Auch heuer zeigten Einfallsreichtum und Experimentierfreudigkeit von Michael Sicher keinerlei Abnützungserscheinungen: Nach rauchzartem Saiblingstatar als Amuse gueule überraschte die Küche mit der Montage von so heterogenen Komponenten wie Gemüsejoulis, Kaviar, Mark und Süßdolde zu einem bezaubernden Ganzen, ehe sich der Flusskrebs-Cappuccino als flüssige Quintessenz dieses edlen Krustentieres präsentierte. Als retardierendes Moment vor dem Hauptgang versetzten Parakresseknospen die Geschmackspapillen in leichte Taubheit, die mit einem Sorbet-Lolli von Campari, Ribisel und Thymian behoben wurde, sodass sie sich mit geschärfter Aufnahmefähigkeit der wunderbaren Kombination von Huchenfilet und Saiblingsroulade widmen konnten. Als Paradebeispiel zeitgemäß leichter Patisserie beeindruckte schließlich das Rhabarber-Kokostörtchen. Für die kongeniale Weinbegleitung sowie aufmerksamsten Service sorgte der Bruder des Küchenchefs mit seiner charmanten Frau.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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