Der Grundlsee ist ja schon einmal wahnsinnig schön, ein richtiges Idyll, wie man sagt. Wenn im steirischen Salzkammergut dann die Sonne scheint, stellen wir uns wenig Erholsameres vor, als mit einem Boot auf dem See zur Anlegestelle beim Gasthof Post zu tuckern. (Etwas prosaischer geht es dem Ufer entlang mit dem Auto.) Der kleine Garten liegt ein bisschen ausgesetzt am See, zwischen Haus und Garten die Straße, die die freundlichen Damen und Herren Ober bei jedem Service überqueren müssen. Das hielt uns aber nicht von einer ausgiebigen Bestellung ab. Pikante Curryrahmsuppe mit Garnelen ist jetzt, sagen wir, nicht gerade die Ausgeburt an Regionsverbundenheit, schmeckte aber gut. Die Liebstöckelsuppe mit Selchfleischtascherl (dem Verfasser des Testberichts wird beim Schreiben der Mund wässrig) schon eher. Der Rücken vom Grundlseer Lamm mit Senf-Kräuter-Kruste auf Paprikanudeln und Bohnen passte, die gedämpfte Roulade vom Eismeersaibling war uns irgendwie zu pastellig, zu blass. Da schmeckten das Lammbeuschel mit Curry oder der knusprige Schweinsbauch mehr so, wie wir es in dieser ja nicht immer wirtlichen Gegend mögen. Topfen-Schokolade-Knödel mit Butterbröseln und Sauerrahmeis zum Abschluss. Schöne Weine, schöne Schnäpse, schöne Rechnung.
Post am See Robert Hocker
Der Betrieb ist Mitglied im „Kulinarium Steiermark". Konsequenterweise sind die drei Menüs, aus denen man einzelne Gänge wählen kann, ganz auf dieses Land ausgerichtet, auch wenn Chef Robert Hocker immer wieder Lust zum Experimentieren verspürt. Das gelingt ihm dann aber mit sicherer Hand, auch beachtet er penibel die Saisonalität. Die Sülze vom Tafelspitz war mit Krenmousse kreativ aufgepeppt. Originell auch, eine Cremesuppe aus Liebstöckel zu kochen, sie präsentierte das Aroma auf wunderbare Weise, die Kombination mit einem knusprigen Ochsenbackerl in Zigarrenform gelang großartig. Der Eismeersaibling – gebraten und als Nockerl – schmeckte delikat und war pfiffig mit Zitronen-Ricotta-Gnocchi angerichtet. Das Tonkabohneneis frischte den Gaumen auf, ehe man die Qual der Wahl hatte zwischen exzellenten Käsen aus der Steiermark, der Schweiz und Tirol mit Senfmelone, Tomaten-Ingwer-Marmelade und saftigem Früchtebrot. Die Weinbegleitung war bei den beiden Sommelières in besten Händen. Und das, obwohl wir im traumhaften Gastgarten direkt am klaren See saßen und sie für jeden Gang und jedes Glas die Straße überqueren mussten. Sie schafften das.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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