Es sei nochmals erwähnt: Das Verdienst der Brüder Christian (Mann der Küche) und Markus (Mann des Weines) Winkler liegt darin, die Großstadt auf das Land getragen zu haben. Das passiert mit großem Selbstverständnis, ohne aufgeblasenen Schnickschnack, ohne dekoratives Pathos. Das Schindlhaus am Fuße des Kaisergebirges ziert als Solitär aus Tradition und Moderne das mit kulinarischen Segnungen nicht gerade reich bedachte Tiroler Unterland. In der Küche legt man Wert auf heimische Produktauswahl. Die Kalbsleber, wenig inspiriert, haben wir bei „normalen" Wirten schon spannender erlebt. Ein sehr angenehmes, zart-saures Lammbeuschel und die weiße Bohnensuppe waren herausragend, das Kaninchen eine Spur zu trocken, am Saibling gab’s nichts zu meckern. Die Performance der Winkler-Brüder erinnert uns an den Auftritt der Gallagher-Brüder beim letzten Oasis-Konzert: alles brav und ein wenig abgeklärt vorgetragen, quasi als Dienst nach Vorschrift. Manchmal verschwand auch einer von der Bühne, der Speisesaal wirkte mitunter verwaist. Es gab dann aber auch diese lichten Momente, wo Genialität aufgezeigt wurde: Die Weinempfehlungen waren einfach grandios, ein Monster-Hit sozusagen.
Schindlhaus Christian und Markus Winkler
Ein großes Restaurant im kleinen Söll. Auch nach knapp zehn Jahren ist das modern gestaltete Lokal nicht in die Jahre gekommen. Viel helles Holz muss eben nicht zwingend banalen Alpen-Kitsch bedeuten. Auch Glas- und Tischkultur sowie die dezente Hintergrundmusik zeugen von der Geschmackssicherheit der beiden Winkler-Brüder Christian und Markus, die im Schindlhaus gemeinsam am Herd stehen. Vor allem ist es aber die Küche, die hier für Begeisterung sorgt. Je nach Appetit wählt man zwischen fünf und acht Gängen und einer korrespondierenden Weinbegleitung, die uns diesmal restlos begeisterte. Ohne Scheuklappen wagte sich der Sommelier über eine vinophile Europa-Rundreise (Rueda, Burgund in Weiß und Rot, Sardinien), die auch Österreich gebührend berücksichtigte. Eine detaillierte Schilderung aller acht Gänge würde den Rahmen sprengen, deshalb seien hier nur drei Gerichte näher beschrieben. Die Flusskrebse mit roten Zwiebeln, Roten Rüben, Himbeeren und Kirsche waren nicht nur geschmacklich eine grandiose Komposition, sondern auch optisch ein Kunstwerk. Witzig und stimmig die karamellisierten Krautnudeln mit winzigen Eierschwammerln und aromatischem Kreuzkümmeljoghurt. Die Taubenbrust mit Tiroler Bergkäse, Trüffelcroûtons und säuerlichen Bierzwiebeln stellte die spielerische Leichtigkeit, mit der hier kreativ auf höchstem Niveau gekocht wird, unter Beweis.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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