Sanfter kann man sich eine Betriebsübergabe nicht vorstellen. Die Nachfolger von Klaus und Petra Fleischhaker (Pfefferschiff-Stammgäste verbeugen sich ein letztes Mal und spenden stehende Ovationen), Iris und Jürgen Vigne, arbeiten schon seit fast zehn Jahren in dem schmucken Restaurant vor den Toren Salzburgs, das Restaurant, das in der Hochsaison besser gebucht ist als Festspielaufführungen mit Netrebko, Depardieu, Muti oder Rattle. Iris Vigne dirigiert eine vornehmlich weibliche Servicemannschaft, eine charmante Usance, die dem Haus die Lockerheit gibt, die man gerne hat. Jürgen Vigne, wenn er nicht gerade Kochkurse leitet, führt die Tradition seines Lehrmeisters fort. Na ja, fast. Er hat klarerweise auch seine eigenen Ideen von guter Küche, und so kommt der Pfefferschiff-Gast jetzt zu einer Reihe interessanter und witziger Kreationen. Mancher Teller ist vielleicht ein wenig überladen, manche Idee stimmt so nicht so ganz wirklich glücklich. Die Fisch-Fleisch-Innereien-Kombinationen, die ja nun wirklich keine neue Idee mehr sind, könnten im nächsten Jahr etwas an Dominanz verlieren, es wäre kein Fehler. Was wir sehr mochten, war eine Kombination von „jungem Gemüse in Begleitung", worunter keine Frivolität, sondern einfach frische Paradeiser (mit Basilikumsorbet), Wassermelone (mit Flusskrebsen), Paprikapraline, Auberginen und Kaninchen geschmort zu verstehen sind, alles von ausgesuchter Qualität, und vor allem die Sorbets sind einfach nur noch köstlich. Der auf der Haut gebratene Waller mit Tomaten-Avocado-Salat und Couscous, die Blunzen-Gamberoni-Kombi mit Apfel-Chutney, schöne, bunte Sachen, ebenso gelungen wie Rehrücken mit Weingartenpfirsich und Steinpilztascherl oder ein göttlicher Erdäpfel-Trüffel-Flan (zu gebratenem und geschmortem Rind). Als Frau Vigne dann einen kleinen Brand zum Abschied einschenkte, da dachten wir uns: „Wie gut, dass das alte Pfefferschiff auch als neues Pfefferschiff eine Freude ist." Zum Einstieg – wir sind in Salzburg und wollen gepflegtes Understatement üben – 16 Punkte. Die „Dritte" parkt schon in froher Erwartung vor der Haustür.
Pfefferschiff zu Söllheim Jürgen Vigne
Die Tradition setzt sich fort. Auch im Jahre zwei nach der Übernahme durch Iris und Jürgen Vigne zeichnet sich das Pfefferschiff durch seine bekannten Qualitäten aus: rustikal-ländliche Eleganz, sympathischer Service und eine klare Küchenlinie, nicht verschnörkselt und verspielt, aber doch spannend am Gaumen. Der sanfte Umbau des Eingangsbereiches und die neue Lüftung sind erfreuliche Neuerungen. Der Küchenchef ließ mit einer warmen Kürbis-Paprika-Suppe und einem Stanitzel mit mariniertem Rindfleisch grüßen. Am Gaumen so spannend wie in der Karte zu lesen waren die jungen Rüben in Begleitung: Kohlrabi-Cannelloni mit Kalbsbries, Ur-Karotte mit Jakobsmuschel, Radieschen mit Tandoori-Hühnerspieß und Rote-Rüben-Sorbet mit Estragon – die Garpunkte wurden perfekt getroffen, der Eigengeschmack durch die sanfte Würzung verstärkt – eine gelungene Komposition. Frisch und leicht auch die zweite Vorspeise, der lauwarm gebeizte Alpenlachs mit Papaya-Relish, Kresse-Emulsion und Frischkäseschaumrolle. Der Höhepunkt des Abends war das rosa gebratene Rinderfilet mit Erdäpelflan, Junglauch und Kohlrabi. Beste Fleischqualität, und diese sensibel in der Küche behandelt, bereitet immer Freude. Nahezu alle Gerichte zeichnen sich durch viel Eigengeschmack der verwendeten Produkte und eine Leichtigkeit aus, dass man sich trotz zweier Grüße aus der Küche und vier Gängen noch auf das Dessert freuen kann. Mozartkugel „2011" klang fast molekular, war aber einfach eine gelungene moderne Interpretation: Schokoladenauflauf mit Pistazienkern, eingelegter Ananas und marmoriertem Marzipan-Nougat-Eis. Für eine stimmige Begleitung der Speisen sorgt die interessante Weinkarte. Viel Österreichisches, auch gereifte (!) Rote, gut gemischt mit trinkanimierend Gepreistem aus aller Welt.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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