Der Goldene Hirsch ist während der Festspielzeiten der absolute Hotspot der Reichen und Berühmten in der Stadt und fristet mit seinen einheimischen Fans während der übrigen Zeit ein eher ruhiges Dasein. Die Gäste scheinen zu schätzen, dass sich hier nichts verändert und keinerlei Aufregungen drohen, auch nicht aus der Küche. Man pflegt konsequent die klassische österreichische Küche, auch Wechsel der Küchenchefs schlagen sich nicht auf der Karte nieder. Tafelspitz, Kaiserschnitzel, ausgelöstes Backhendl, Hummerkrabben glänzen seit Jahrzehnten auf der Karte. Die vorwiegend internationalen, begüterten Gäste mögen vielleicht gerade diese Einfachheit. Wir haben uns dieser Haltung gebeugt und wurden mit Leberknödelsuppe, Saibling vom Fuschlsee und dem Hauswein, Grüner Veltliner von Jurtschitsch, glücklich. Zum Nachtisch noch ein köstliches Schokoladeparfait mit Beerenröster. Es ist die gepflegte Atmosphäre, die hier zählt, und die Erinnerung an große Momente. Dort hinten im Eck der Tisch, an dem Herbert von Karajan nach den Vorstellungen mit den Künstlern feierte und so manche Primadonna vor allen Gästen noch einmal loslegte. Günstige Mittagsmenüs.
Goldener Hirsch Dir. Gerald R. Krischek
Der Hirsch, wenn wir uns richtig erinnern, war unser erstes Restaurant mit einer Haube in Salzburg. Man könnte jetzt spöttisch sagen: Er hält sein Niveau. Aber so einfach ist das nicht. Der Goldene Hirsch ist ja viel mehr als ein Hotelrestaurant – er ist eine Salzburger Institution. Zu Festspielzeiten ist es manchen wichtiger, in dem engen Gewölbe den ganz bestimmten Tisch zu bekommen als den besten Logenplatz im Festspielhaus. Und auch die Speisekarte des Goldenen Hirschs ist irgendwie ein Stück Salzburger Kulturgeschichte. Frittatensuppe, Consommé mit Sherry, hausgebeizter Lachs, Kaviar (wo sonst, wenn nicht hier), Hummerkrabben mit Dill, Backhendl, Rehrücken mit Serviettenknödel und Rotkraut, Rigó Jancsi, Salzburger Nockerln und so weiter. Wie gesagt: Kulturgüter. Doch schmecken tut das immer wieder und wir müssen zugeben: manchmal viel besser als in der oft zu bemühten 2-/3-Hauben-Liga. So hatten wir letztens: Tafelspitzsulz, danach ein perfekt gebratenes Hirschrückensteak mit einer wunderbar zubereiteten Sauce nach alter Schule und Birnenkartoffeln (sic!), ein Wiener Schnitzel, wie es sich gehört, ein Reh mit Morcheln, das Backhendl, das wie fast alles andere mit Stil aus der kupfernen Stielpfanne serviert wird, einen wirklich gut gemachten Tafelspitz mit den Klassikern Spinat, Erdäpfeln, Apfelkren und Schnittlauchsauce und die erwähnten Nockerln. Wie sagte der Ober? „Heiße Luft.“ Übrigens ist der Service hier, geleitet von Maître Hermann Bauer, immer bestens disponiert. Und es scheint, wenn an die dreihundert Gäste gleichzeitig im Hause speisen wollen, weil gerade gegenüber eine Premiere zu Ende ist, dann laufen die Herren hier zu ihrer wahren Größe auf. Apropos Größe: Groß ist sie nicht, die Weinkarte. Die Weine dafür eher nicht so billig. Aber wer will schon über Weinauswahl diskutieren, angesichts der Show, die hier in der Saison Abend für Abend abläuft.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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