Das Laurin war in den vergangenen Jahren zur Nummer eins der Bozner Restaurants aufgestiegen. Bleibt das auch heuer so? Das kann nicht so leicht beantwortet werden, denn mit dem neuen Pächter der nahen Kaiserkron ist starke Konkurrenz aufgetreten. Die Küche konnte trotz des hoch gelobten neuen Chefkochs aus dem Ausland nicht überzeugen. Braucht der neue Küchenmeister Zeit zur Einarbeitung? Sicher. Aber vielmehr muss das Management des Laurin entscheiden, ob es den feinen Gaumen bevorzugt oder den Bus-Touristen. Diesen Spagat zu schaffen, scheint eine schier unlösbare Aufgabe. Doch zum Kulinarischen: Das lauwarme Oktopus-Kartoffel-Törtchen war fein, die besondere geschmackliche Nuance ließ es aber vermissen; ebenso die gebratene Jakobsmuschel mit Orange und Olivenöl aus Palästina. Sehr gut in der Zubereitung hingegen das junge Weidelamm mit mediterranen Aromen, serviert mit Fenchelmousse und gratinierter Oliven-Parmesan-Tomate, ein Lichtblick, da technisch wie aromatisch durchgehend stimmig. Das Thema Fleisch scheint der Küche zu liegen, denn das Entrecôte vom argentinischen Rind wurde behutsam unter eine wohlschmeckende Parmesankruste gelegt, begleitet von zartem Selleriepüree. Der Gast sitzt entweder in einem sehr schönen Jugendstilsaal oder im Sommer in einem herrlichen, weitläufigen Park inmitten des Stadtzentrums. Die Weinkarte lässt keine Wünsche offen, der Service sollte etwas lockerer agieren.
Laurin Gen.-Dir. Roland Margesin
Das Parkhotel Laurin ist zweifellos das erste Haus der Stadt. In den 100-jährigen Mauern sind mehrere Säle untergebracht, das Restaurant befindet sich in einem sehr gediegenen, etwas kühl wirkenden Jugendstil-Saal. Im Sommer lockt ein beinahe verwunschener Märchengarten zum Speisen. Manuel Astuto ist erst 26 Jahre alt. Der Bozner mit sizilianischen Wurzeln will diese ganz persönliche Mischung auf den Tisch bringen und forciert sie mit ungezähmter Leidenschaft. Die Brennnessel-Tagliolini mit einheimischem Lammragout und Artischocken waren der erste Beweis für die gelungene Liaison, zart und schmackhaft in sämtlichen Bereichen. Dass er auch mit Tiroler Gerichten umzugehen weiß, bewies Astuto durch hauchdünne Schlutzer, die er als Zwischengericht servierte. Ein Feuerwerk an Intensität boten die Longoni mit sizilianischen Scampi, Frühlingszwiebeln und Meeresspargel. Der Krustentierfond ließ die Kräfte des Meeres spüren. Doch auch am Berg scheint der talentierte Küchenchef daheim zu sein. Die Rehlende wickelte er behutsam in einen Speckmantel. Saftig und rosa mit einem sämigen Jus wurde sie uns kredenzt. Auch der Thunfisch mit Pak Choi und Limetten-Confit zeugte von großer Professionalität am Herd. Einige Produkte stammen aus gerechtem Handel und sind mit „Fair Cooking" auf der Speisekarte gekennzeichnet.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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