Das Pächterpaar Claudia Pitscheider und Stefan Unterkircher ist schon seit mehreren Jahren im Renaissance-Ansitz Castel Ringberg tätig. Aber so wunderbar leicht, präzise und treffsicher in den Aromen haben wir ihre Küche noch nie erlebt. Das Zusammentreffen von Tradition und Moderne, Südtirol, Italien und asiatischen Nuancen im Küchenstil überzeugte und offenbarte sich in einer karamellisierten Panna cotta vom Ziegenfrischkäse, leicht und locker, mit gekonntem Süße-Säure-Spiel. Ein wahrer Genuss waren die Kamutbandnudeln mit Bergthymian und Lammragout. Bewusst neue Aromen wurden beim Südtiroler Klassiker Rindswangelen mit Bergheu und Holler behutsam eingebaut; die grünen und weißen Spätzle waren in Butter gewendet. Obwohl die Karte keine Überraschungen gegenüber den Vorjahren aufwies, erschienen uns die Gerichte geschliffener, durchdachter, stimmiger. Das Dessert – doch dies ist keine Überraschung, ist doch die Pächterin gelernte Konditormeisterin – mundete: Die Crème brûlée mit Erdbeeren und Maracuja-Sorbet erwies sich als leicht und erfrischend. Die Weinkarte ist gut sortiert, die Weine der Besitzerfamilie Walch immer einen Versuch wert.
Castel Ringberg Stefan Unterkircher und Claudia Pitscheider
Castel Ringberg ist ein Kleinod – wegen seines lieblichen architektonischen Erbes, aber vor allem aus kulinarischer Sicht. Das Mittelmeer und Südtirol, aber auch Asien treffen hier auf intelligente, wohl durchdachte Art und Weise zusammen. Die Eröffnung der Speisenfolge mit der Terrine von der Stopfleber mit Kirschen, Karamell und glacierter Wachtelbrust war eine im wahrsten Sinne süße Wucht, die trotzdem bis zum letzten Bissen nie aufdringlich wirkte. Dass man aus „einfachen“ Zutaten auch Meisterliches kochen kann, bewies der Cappuccino von neuen Kartoffeln mit Kresseschaum, Croissants, Lammschinken und Birnensenf. In diesem Gericht bestätigte sich die zweite Maxime des Hauses: Wann immer möglich, auf außerordentliche, regionale Produkte zurückzugreifen (wie hier mit dem Lammschinken vom Brillenschaf aus dem Villnösser Tal). Eindrucksvoll bleiben die beiden Hauptgerichte in Erinnerung. Handwerkliche Präzision und durchaus überraschende Einfälle bewiesen die butterweiche Lammschulter vom Villnösser Brillenschaf mit Püree von eingelegten Zwetschgen, Mohn-Topfenknödel und weißer Zwiebel-Konfitüre. Bei diesem Gericht ist dem Koch eine exquisite Reise in nordafrikanische Länder gelungen, in denen seit jeher lange und langsam geschmortes Lamm mit süßen Früchten kombiniert wird. Von meisterlicher Treffsicherheit erwies sich auch die gebratene Perlhuhnbrust mit Ahrntaler Bergkäse, Frühkraut und Thymian-Schupfnudeln. Fazit: Castel Ringberg mit den Gastgebern Stefan Unterkircher und Claudia Pitscheider ist mittlerweile zu jenen Restaurants in Südtirol avanciert, auf die man sich uneingeschränkt freuen kann.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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