Detailansicht 2012

2011
17 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Bergküche, mit der Akribie eines Archäologen erkundet, gemäß 21. Jahrhundert entschlackt und somit neu erfunden: Armin Mayerhofer heißt der Forscher und er bietet eine Speisenfolge nach Rezepten aus der Region. Heiße Polenta gibt es auf den Hütten rund um den Langkofel mit Gorgonzola, hier ist es ein Gorgonzola-Eis. Nach einem harten Skitag in den Dolomiten oder einem Marsch auf die Berge (ohne Seilbahn) gibt es wenig Bekömmlicheres. Doch auch der Blick über den Tellerrand ist einem wie Mayerhofer nicht fremd, der die gängigen Kochtechniken aus dem Effeff beherrscht, und dem keine Kombination an Aromen, Essenzen, Temperaturen und Herkünften unmöglich scheint. Wassermelone wie ein Carpaccio, mit Blaufelchen, Zitrusfrüchten und Austernkraut ist uns recht. Lachs mit Orange, Alm-Graukäse und Lakritze – das verträgt sich, auch wenn es verrückt klingt. Wie auch Lammrücken und Thunfisch mit Kaffeekruste – Sie haben richtig gelesen. Manches wirkt dennoch überzogen, nicht zu Ende gedacht. Schoko-Tonka-Zigarre mit geeister Creme vom Zedernholz einfach zu gekünstelt. Vergesse nwir nie: Das ganz Große liegt oft im ganz Reduzierten. Wie Gambas, Lardo und Ofentomaten oder handgerollte Nudeln mit Bottarga und Sommertrüffel. Franz Lageder, ein Maitre von großer Eleganz, kümmert sich um den Wein. Was er ins Glas zaubert, ist nichts anderes als Südtirols und Italiens Oberklasse. Zu fairen Preisen.

Von außen wirkt das Hotel wie ein modernes Momument der Designverweigerung. Ist wohl einfach gebaut worden, als der Inhalt noch die Form bestimmte und nicht umgekehrt. Die Familie Bernardi gibt nicht auf, für die Gäste noch mehr Komfort, noch erlesenere Frühstücke und ausgeklügelte Abendessen zu bieten. Mainstream, aber auf höchstem Niveau. Die Zimmer sind großzügig, helles Holz, große Bäder. Und das Spa zählt sicher zu den schönsten und bestgeführten des Landes. Wie auch die Beautyabteilung einen Abstecher lohnt, auch für das schönste Manns- oder Weibsbild.

2010
18 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Armin Mairhofer ist der erdverbundene Philosoph unter Südtirols Spitzenköchen. Mit der Ausdauer eines Einsiedlers sammelt er schon lange in Vergessenheit geratene Ingredienzien aus Wald und Wiese wie Pimpinelle, Zirbelnüsse, Wiesenspinat, Bucheckern, Alpenrosen oder Hopfensprossen, die er zu sinnlichen Genüssen veredelt. Wie Eckart Witzigmann in seinen besten Jahren, kann er eine veritable Consommé mit einer Gersten-Insel, die in hauchdünne Selchkarree-Scheiben gepackt und mit Kren-Eis belegt ist, zu einem harmonischen Meisterwerk zusammenfügen. Unser gedämpfter, an sich einfacher Salz-Kabeljau war mit den zartbitteren Artischocken und mit dem leicht an grüne Walnüsse erinnernden Olivenöl eine perfekte mediterrane Liaison. Als unterstützendes Mitglied der Bewegung „fair cooking“ wählt Mairhofer auch die aus fairem Welthandel stammenden Zutaten für seine internationale Küche sehr sorgfältig und bewusst aus. Die Criollo-Schoko-Tonkazigarre mit geeister Creme vom libanesischen Zedernholz, Tabak und altem Rum war wie die von einem akribischen Buchhalter geplante Reise über die Weltmeere: alles abenteuerlich und traumhaft gut!

Der Grödnerhof ist eine hochmoderne Spa-&-Wellness-Burg, in der sogar verwöhnte Hollywood-Stars, gehetzte Industriekapitäne oder ausgebrannte Polit-Prominenz die innere Balance wiedergewinnen. In der Beauty-Kosmetik-Abteilung kann man sich auf entspannende Verwöhnprogramme von Ayurveda-Spezialisten freuen. Die luxuriösen Zimmer und Suiten bieten höchsten Wohnkomfort. Wer der gedämpften Atmosphäre einmal entfliehen will, für den gibt es wilde Wandertouren.

2009
17 Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Wie ein Getriebener fuhr Armin Mairhofer in den letzten 15 Jahren den gesamten Globus ab. Immer auf der Suche nach neuen Impulsen, Aromen, Techniken. Sein Lehraufenthalt in Japan fand etwa schon statt, als man in Südtirol noch nicht wusste, dass rohes Meeresgetier auch essbar sei. So kämpfte Mairhofer in seiner Heimat ständig als unverstandener Avantgardist gegen die Windmühlen bornierter Provinzgaumen. Jetzt endlich scheint er sein Refugium gefunden zu haben und kann die Anerkennung genießen, die ihm gebührt. Die schmale Gratwanderung zwischen ungezähmter Kreativität und der Respekt vor Traditionen scheint ein besonderes Steckenpferd Mairhofers zu sein. So präsentierte er etwa eine Bagna cauda von Jakobsmuscheln mit Spargel, rosa Grapefruit und Vanilleöl, alles harmonisch abgestimmt. Die Bärlauchsuppe mit Agrumen-Zesten, Ruta und Weideblüten erschien uns etwas zu bitter. Das Pfifferlingsragout mit Kartoffeltörtchen und Bucheckern war ein mehr als gelungener Tribut an den Wald, der in Gröden immer neuen Skipisten weichen muss. Eindeutiger Höhepunkt: das Spanferkel-Selchkarree auf Latschenkiefer-Orzotto. Dezente Räuchertöne am Fleisch, getimte Garzeit bei der Gerste. Etwas weniger Schnickschnack bei den Desserts täte diesem kulinarischen Highlight keinen Abbruch.

Der Grödnerhof ist ein Refugium der oberen Luxusklasse. Zimmer und Suiten bieten dem Gast jeglichen Komfort. Vor allem der Wellnessbereich sowie die riesige Beauty-Abteilung übertrumpfen so einiges im Fünf-Sterne-Bereich. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten - stilistisch unterscheidet sich der Grödnerhof kaum von anderen Hotels der Umgebung. Das Hotel ist Mitglied der Vereinigung Relais & Chateaux.

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Gardena Grödnerhof Familie Bernardi

St. Ulrich im Grödnertal gehört zu den teureren Orten Italiens. Der Ruf, den der Ort als Ski-Paradies besitzt, hat dazu geführt, dass man etwa bei den Zimmerpreisen tief in die Tasche greifen muss. Umso erfreulicher, dass man in einem der besten Hotels der Region als À-la-carte Gast weder bei Speisen noch beim Wein das Gefühl haben muss, zu viel zu bezahlen. Das war die gute Nachricht. Die Leistung der Equipe rund um Küchenchef Armin Mairhofer war keine großartige, sondern beschränkte sich auf solides Handwerk ohne größere Ansprüche. Der Service präsentierte sich sogar auf unterdurchschnittlichem Niveau, dessen unzählige Fauxpas nicht einmal in einem Einkehrgasthaus passieren dürften. Der Start gelang der Küche mit Amatriciana von Gambas, Lardo und Ofentomaten noch aromatisch und vielfältig. Doch schon bei der Foie-gras-Praline kam Langeweile auf. Das Produkt selbst erwies sich zwar als tadellos, doch eine edle Leber in Kügelchen zu formen und dann den Teller mit Krümeln von Lapsang-Tee zu dekorieren, ist eines talentierten Küchenchefs eigentlich unwürdig. Diese noble Einfallslosigkeit setzte sich auch bei der Kombination Ei, Kartoffel und Kaviar fort. Die Minestrone mit Zampone (gefüllter Schweinsfuß) und fein geschnittenen Streifen vom Salzkabeljau ließ ebenso wie das rosa gebratene Reh-Nüsschen mit Gewürzschrot das Können der Küche aufblitzen. Das Mandarinensorbet schmeckte zwar hervorragend und auch die Kombination mit grünem Sellerie entpuppte sich als gelungen. Doch so wenig handwerkliches Engagement auf diesem Niveau ist frustrierend. Wie es mit der Motivation der Küche aussehen wird, wenn – wie verlautbart – im Herbst 2011 ein neuer Küchenchef antritt, werden wir sehen.

Anna-Stuben

Der Grödnerhof – Mitglied der exklusiven Hotelkette Relais & Châteaux – bietet über 50 komfortable Zimmer und Suiten, die kaum einen Wunsch unerfüllt lassen. Wer seine Freizeit nicht in der Bergwelt der Dolomiten verbringen möchte, der findet in der 1300 Quadratmeter großen Spa- und Beauty-Anlage des Hauses ein entsprechendes Angebot. Eine eigens angelegte Südtiroler Bergdorflandschaft sorgt für romantische Gefühle, die man im touristisch völlig erschlossenen St. Ulrich in der Realität nicht mehr findet.

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