Auch wenn es in den Dolomiten stürmt und schneit: In den Hubertusstuben scheint für die Gäste immer die Sonne. Dafür sorgt Norbert Niederkofler, der mit jedem Teller so etwas wie Licht vor die Augen und auf die Geschmacksnerven der Gäste zaubert. Aromen, Farben, Produkte, das Meer, die Berge, zu allem hat Niederkofler ein klares Statement. Ein lauwarmes Carpaccio vom Kalbskopf ist – trotz des etwas unglücklich gewählten Namens – so eine eindeutige Ansage: Wir sind in den Dolomiten. Dazu Pilze, hauchdünn gehobelt, Salatblätter und ein pochiertes Bio-Ei, das sich beim Anstechen über den Teller ergießt. Wer so kocht, braucht keine Molekularespumas. Vielleicht einmal ein zartes Schäumchen, eine Air, wie es die leicht geräucherte Forelle mit Babymangold, Steinpilzen und Zirmsauce krönt. Etwas heftig dazu: die Erdäpfelterrine – egal. Schöne Grüße schickt das Mittelmeer: Sardelle mit Schaum vom süßen Knoblauch, Carpaccio von Gamberi rossi (die Besten der Besten) und weiße Melone, Thunfischspaghetti, Grapefruitsorbet und – was ist das? Bitterschokolade Crumbles! Ahh, wie butterzart und herrlich schmierig das Milchferkel mit Calvasius-Kaviar (Niederkoflers Favorit aus Italien), Eierschwammerln und glasierten Pfirsichen. Zum Thema Grillen, dem Sommerhit der vergangenen Saison zwischen Hamburg und Cortina, hat Niederkofler ein Klassegericht beigesteuert: Taube und geräucherter Aal, gegrillte Wassermelone (keine neue, aber eine Spitzenidee) und Pak Choi. Manches ist so gut, dass man vor Freude auf den nächsten Berggipfel hinauf- und wieder hinunterlaufen möchte. Wäre da nicht die Begleitung, die Begleitung aus dem Weinkeller, die solche – und andere Unternehmen – zu fortgeschrittener Zeit verunmöglicht. Manches allerdings wirkt, besonders wenn der Chef wieder einmal nicht im Hause weilt, nicht ganz auf 18 Punkte-Niveau. Vier Hauben wert ist der Service unter Maitre René Jakobs und dem Spitzensommelier Mehmet Ali Kaplan, die eine Brigade führen, die so manche urbane Hochrestaurants vor Neid erblassen lassen könnte. Englisch, Italienisch, Deutsch und Französisch hört man von den Nebentischen die Serviceleute mit den Gästen parlieren. Wollten wir noch was sagen? Die Desserts! Tarte Tatin von Südtiroler Äpfeln mit frisch aufgeschlagenem Vanilleeis. Sehr gut. Eigentlich hatten wir es fast so erwartet.
Das Rosa Alpina ist nicht irgendein Spitzenhotel in den Alpen. Es verfügt über eine eindeutig strukturierte Persönlichkeit, die mit ihrem Ehrgeiz hinterm Berg hält, damit der Gast nicht in seiner Erholung beeinträchtigt wird, die aber eindeutig nur das Beste (und auch das nicht gerade Billigste) will. Die Suiten mit ihren schönen Farben, Ton in Ton, sind so, dass man St. Kassian am liebsten nie mehr verlassen möchte. Das Frühstück ist ebenso von höchster Qualität wie bestens betreut. Auf Halbpension verzichtet man hier: Dafür hat der Gast die Wahl zwischen mehreren Genre-Restaurants, eines besser als das andere.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
Höchstnote für die weltbesten Restaurants
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