Bitte läuten“, steht beim Eingang, der in ein Wohnhaus führt, in dem man kein Restaurant vermutet hätte. Beim Betreten der gemütlichen Gaststube hält man unwillkürlich nach Gästehausschuhen Ausschau. Es ist tatsächlich ein sehr privater Rahmen, in dem das Ehepaar Kerschbaumer einen Zwei-Personen-Betrieb etabliert hat, dessen kulinarische Qualitäten beeindruckend sind. Gattin Helena schupft den Service im 20-Sitzplätze-Gastraum im Alleingang und kann als Sommelière mit überraschenden Empfehlungen auftrumpfen – mitten in Südtirol einen hervorragenden Elsässer Gewürztraminer zu bekommen, passiert einem sicher nicht oft. Diese Affinität zu Frankreich zeigt sich auch bei der Küche, wo Ehemann Wolfgang allein am Herd Gerichte auf den Teller zaubert, die Pustertaler Rustikalität mit französisch anmutender Verfeinerung kombinieren. Egal ob gebratene Entenbrust mit Shii-take-Pilzen und Hollerweinsud, ein wunderbar zarter Adlerfisch mit Morcheln und Spargel, bei dem voll und ganz dem perfekten Eigengeschmack der Zutaten vertraut wird, oder der lauwarme Schokoladekuchen mit Erdbeeren und Mandarinensorbet, alles ist geschmacklich gut ausbalanciert und besticht durch gekonntes Handwerk. Paris grüßt Südtirol – und umgekehrt, denn der abschließend servierte wunderbare Merlot kommt nicht aus dem Medoc, sondern von St. Michael aus Eppan.
La Passion Wolfgang Kerschbaumer
Vier Tische, zwei Akteure (Wolfgang Kerschbaumer in der Küche, Ehefrau Helene im Service), eine kleine, liebevoll holzgetäfelte Stube und ein Ambiente, das eher an ein Wohnzimmer denn an ein „öffentliches“ Restaurant erinnert. Und doch, hier wird große Küche geboten, und das, was Kerschbaumer in seiner winzigen Küche zaubert, beweist Format, Authentizität und Zeitgeist. Die Souveränität drückt sich auch dadurch aus, dass Kerschbaumer selbstbewusst würzt und kombiniert. Die gute Entenleberpastete führt er beispielsweise mit einem süßen Viererlei aus eingelegter Zwetschge, Marille, Birne und süßem Chutney zueinander. Die rassige Würze der Brotteignudeln mit Meeresfrüchten bewies die Stilsicherheit des Kochs, beim Hauptgang mit Steinbutt auf Spitzkohl mit Püree und schwarzem Trüffel hätten wir uns eine Beschränkung auf weniger Elemente am Teller gewünscht, doch war das Gericht in Technik und Zubereitung souverän. Die französischen Einschläge sind deutlich, der Stil des Allrounders ist ohne Schwächen und mit viel Gespür für geschmackliche Harmonie. Die Einkehr in die „Stube“ der Kerschbaumers erwies sich aufs Neue als empfehlenswert, auch, weil Hausherrin Helene Kerschbaumer sich mit viel Sachverstand durchaus nicht scheut, ausgezeichnete Weine aus der Region glasweise zu empfehlen.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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