Wie ein Getriebener tüftelt und feilt Andrea Fenoglio an einem Gericht, ehe er es über den Küchenpass schickt. Das führte dazu, dass er in seiner mittlerweile 19-jährigen selbstständigen Restaurantarbeit nicht allzu viele Neuerungen anbieten konnte. Doch das ist Schnee von gestern. Obwohl die Küche mit einigen Strömungen liebäugelt, ist sie vielleicht die eigenständigste in Südtirol überhaupt. Wie in einem mehrsätzigen Konzert folgten wir teils aufmerksam, teils verzaubert sämtlichen Darbietungen. Bei der am Tisch geräucherten Makrele mit Apfel und Ingwer wurden unheimlich subtile Geschmacksnuancen frei. Der Crostone mit geräuchertem Aal und Foie gras war ein weiteres Zeugnis für die Unbeirrbarkeit der Küche. Selten haben wir so ein schmackhaftes und bissfestes Risotto (grüner Spargel und Trüffel) genossen. Die im Rohr gebackene Milchlammschulter in Pistazienkruste mit einem unvergesslichen Fond und auch das zarte Kalbsschulternahtl mit Trüffelsauce ließen unser Herz höher schlagen. Auch bei den Desserts wartete Fenoglio mit Überraschungen auf: dem Passionsfruchtkaviar mit Mangoeis und Mandelmilch etwa oder dem im Kupfertopf geschlagenen Sabayon mit Torta Sbrisolana!
Sissi Andrea Fenoglio
Das sonnendurchflutete Restaurant in Sichtnähe zum Meraner Prachtboulevard ist seit Langem die beste Adresse in der Kurstadt. Die klein gehaltene Karte ist klug komponiert mit unterschiedlichen Traditionen aus mediterraner und internationaler Küche. Die verspielten Petits fours erinnern an die vornehme Patisserie Altösterreichs, der Brasato al Barolo ist ein Klassiker der Schmorgerichte des Piemont. Vom Fernen Osten hat sich Andrea Fenoglio bei seinen Thunfischkreationen inspirieren lassen, die er einmal als Tataki mit herrlich frischem Orangenjus und Ingwer, einmal als Sashimi mit leichter Sesamkruste oder als Sushi mit Zucchinischeibchen anbietet. Die Schweinsfüßchen mit Mandeln und Endivien oder die geschmorten Kalbswangen in Lagreinsauce waren hocherfreulich zart, die Saucen so gut gewürzt, dass man sie mit Brot auftunken mochte. Die Desserts? Ein Genuss! Gianduia-, Ricotta- und kaum gesüßtes Kastanien-Eis lieferten den am Gaumen lang anhaltenden Beweis, dass Fenoglio unter Südtirols Spitzenköchen wohl der beste Eismann ist. Sehr am Herzen liegen dem Patron seine Weine, mit über 400 Top-Positionen spielt die Sissi-Weinkarte in der ersten Gourmet-Liga!
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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