Von außen betrachtet scheint es, als ob es sich beim Löwen um ein normales Dorfwirtshaus handelte. Spätestens beim Öffnen der Eingangstür gewinnt man jedoch andere Eindrücke: alte Räumlichkeiten, modern umgestaltet, der Empfang ist freundlich und persönlich. Trotzdem entspricht der Service nicht der Klasse des Lokals. Man ließ uns zum Beispiel des Öfteren unbetreut sitzen, und wir waren hie und da versucht, den bestellten Weißwein selbst nachzuschenken. Das Gedeck servierte man uns gleichzeitig mit der Vorspeise, und wir fragten uns, wie dessen ungestörter Genuss so möglich sein sollte. Die schlechte Koordination wurde aber von der Küche wettgemacht, die zum Auftakt mit einem Cappuccino vom Kalbsbries begeisterte. Die folgende Topinambur-Suppe mit Erdäpfeltascherl war ebenfalls perfekt. Als Zwischengericht genossen wir mit Ochsenschlepp gefüllte Teigtaschen, die mit Parmesanspänen verfeinert worden waren. Als Höhepunkt unseres Mahls erwies sich das Milchferkel aus dem Rohr: Mit Kümmel und Knoblauch gewürzt sowie mit Weißkraut und Erdäpfeln serviert, war es ein phantastisches Hauptgericht. Besonders die knusprige Haut und die optimale Würzung begeisterten. Danach schmeckte uns noch ein erfrischendes Apfel-Walnuss-Eis. Erfreuliche Weinauswahl.
Zum Löwen Anna und Alois Matscher
Ach, was muss man oft von bösen Gasthaus-Umbauten hören oder lesen ... doch zum Glück nicht hier von diesem, welchem sie die alten Mauern ließen. Durch die stilvolle Überdachung des ehemaligen Hinterhofes haben Anna und Luis Matscher mehrere verwinkelte, gemütliche Gasträume hinzugewonnen. Fleiß, Zielstrebigkeit, Ausdauer und Humor, das sind die Ingredienzien für das Löwen-Erfolgsrezept der Wirtsleute Matscher. So entwickelte sich aus dem ehemaligen Banker Luis einer der versiertesten Weinkenner weit und breit. Und die gelernte Masseuse Anna bildete sich zur besten Köchin Südtirols fort. Gewiss liegt der Schwerpunkt auf einheimischen Gerichten. Jedoch zeigten der flaumige Topfen-Safran-Schmarren mit dem leicht sauren Rhabarberkompott, die mit Topinamburcreme gefüllten, mit Kümmelöl und Speck aromatisierten Tortelli und die gebackenen Kutteln im Curryfond eindrucksvoll, wie atemberaubend gut eine Regionalküche mit Zutaten aus aller Welt sein kann. Sehr originell das Rindstatar im Schwarzbrotmantel gebacken auf Senfsoße! Für eine eventuelle Teigtaschen-Olympiade melden wir sofort Annas spektakuläre Ravioli mit Quittenmostarda an.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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