In puncto Beständigkeit kann es niemand so leicht mit dem Landhaus Bacher aufnehmen. Patronne Lisl Wagner-Bacher hat 1982 ihre erste Gault-Millau-Haube erkocht, seither rangiert das Haus ohne Unterbrechung in der Spitzenliga der österreichischen Gastronomie. Die Tradition drückt dem Restaurant deutlich den Stempel auf: Wie seit Jahr und Tag wacht die Falstaff-Gestalt von Patron Klaus Wagner über den üppig bestückten Weinkeller (aus Wachau, Kamptal und Bordeaux lagern hier besondere Schätze), von den rüschengesäumten Schürzen der Chefin bis zum Wohnzimmer-Stil des Speisesaals hat sich nichts verändert. In der Küche verhält es sich da ganz anders. Dort hat sich Lisl Wagner-Bacher schon vor ein paar Jahren ihren Schwiegersohn Thomas Dorfer (Koch des Jahres 2009) an die Seite geholt, und siehe da: Im Spannungsfeld der Generationen entstand ein neuer Stil, der Gemüse und Kräuter in den Vordergrund rückt, regionale Klassiker mit stimmig einbezogenen exotischen Elementen neu erfindet. Schon beim Amuse gueule ließen die Spießchen mit in Focacciateig gebackenem Oktopus aufhorchen. Es folgten zart gegarte Artischocken mit einer ebensolchen feinen Creme, die erstaunlich viel Eigengeschmack offenbarte. Das Gericht entstammte dem vegetarischen Menü: Allein dass ein solches angeboten wird, ist in der Top-Gastronomie eine Pioniertat, noch verblüffender allerdings, dass die dort versammelten Gerichte von einer Art sind, die auch fleischaffine Genießer danach greifen lässt. Die Auberginentarte mit gebratenen Zucchini, grünen Mandeln und Salsa verde war ein weiteres Beispiel dafür – ein geradezu elegisch schönes Gericht in der frischen Harmonie der einzelnen Elemente. Vom gekonnten Wechselspiel der Komponenten zeugte auch der Langostino mit Winterkabeljau: Das Krustentier ganz puristisch gebraten, der Fisch zu fleischig-fester Konsistenz poeliert, dazu ein schön ausbalancierter Zitronen-Jus – formvollendet. Ein Heilbutt aus Wildfang wurde dezent glasiert, Eierschwammerln, Junglauch und weiße Polenta bildeten den Kontrapunkt, für die Verbindung sorgte das Aroma des Haselnussöls. Ein sehr gelungener Fall eines dekonstruierten Traditionsgerichts bot der Tafelspitz-Raviolo: würziges Rindfleisch, pikanter Semmelkren-Schaum, cremig-frischer Spinat (lediglich das warme Cidre-Gelee wirkte im Zusammenspiel etwas zu süß). Bei der Variation vom Milchkalb konnten sich Wagner und Dorfer nicht verkneifen, der Alle-Arten-der-Zubereitung-auf-einmal-Mode nachzugeben. Unser Stirnrunzeln schwand freilich schnell vor dem herrlich zarten Bries, dem schamlos üppigen Mini-Butterschnitzerl, dem saftig gebratenen Filet sowie der zart geschmorten Kalbsbrust. Schließlich ein gebratenes Ochsenfilet: Mit seiner tiefdunklen intensiven Sauce und der Begleitung durch Artischocken und schwarze Trüffeln ein Gericht von französischer Ernsthaftigkeit. Bei den Desserts wartete noch einmal eine Überraschung, nämlich der Nachweis, dass auch im Mehlspeisenland Österreich raffiniert-filigrane Patisserie möglich ist: Der Krokant von Orizaba- und Araguani-Schokolade, Himbeeren, Himbeergelee und Bourbon-Vanille-Eis war eine Symphonie aus Schoko- und Beerenaromen, knackigen und weichen Texturen, bitter, fruchtsauer und süß. 18 Punkte – wohlverdient!
Mit seinen zehn Zimmern im behaglichen Landhausstil ist das zum Restaurant gehörige Hotel nicht nur willkommene Zuflucht nach einem ausgiebigen Abendessen. Es empfiehlt sich auch als Stützpunkt für Wein- und Genussreisen, liegen hier doch gleich vier Weinregionen – Wachau, Kremstal, Kamptal und Traisental – in Griffweite. Rückenfreundliche Bio-Matratzen und Vollholzmöbel machen das Haus auch für empfindliche Naturen zu einem angenehmen Refugium. Und natürlich gehört Lisl Wagner-Bachers Frühstück zu den angenehmsten Möglichkeiten, einen Tag zu beginnen. Einziger Nachteil: Im Sommer und im Weinherbst ist das kleine Hotel schnell ausgebucht.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
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