Für echte Weinfreaks gilt es im Gasthaus Floh immer einen bangen Moment zu überstehen. Nämlich den, wenn man die Weinkarte zur Hand nimmt – die genialste und kundenfreundlichst kalkulierte der Republik – und sich die Frage stellt, ob sich dies nun endgültig herumgesprochen hat, mit dem Effekt, dass all die darin enthaltenen Schätze weggetrunken sind. Keine Angst, alles beim Alten, noch genug da. Dieses Wein-Schlaraffenland soll aber nicht die Aufmerksamkeit von der Küche abziehen, denn in dieser ist in letzter Zeit nicht alles beim Alten geblieben. Sie wird nämlich immer besser. „Besser als Kaviar“ nennt Josef Floh die erste Vorspeise. Dabei handelte es sich um ein Schlangengurken-Gelee mit Schaffrischkäse und Safransalz, das tatsächlich in einer Kaviardose serviert wurde und den eigenwilligen Namen geschmacklich zumindest diskutabel erscheinen ließ. Der Vorliebe für seltenes Gemüse aus der nächsten Umgebung wurde auch mit den darauf folgenden gebratenen U-Murken (eine Kreuzung aus Senf- und Feldgurke) gefrönt, dann kam ein Wels mit Marille und Zwiebel, und spätestens hier war es nicht mehr zu übersehen, dass der Chef neben seinem bekannten Gespür für deftig-intensive Kombinationen auch eines für feine Aromen und Nuancen hat. Das würzige Schweinsragout mit Eierschwammerln und das wahrscheinlich beste Risipisi aller Zeiten bestätigten beide Talente erneut. Desserts auf dem gleichen Niveau, freundlich-kompetenter Service, ein phantastischer Abend. Und dabei haben wir noch gar nicht erzählt, was wir getrunken haben... In Summe: 16 Punkte +.
Floh Josef Floh
Der Floh ist ein geniales Beispiel authentischer und ehrlicher Wirtshauskultur. Alleine dafür gebühren dem jungen, niemals ruhenden Querdenker schon höchste Ehren. Gleichzeitig schäumt er über vor Kreativität und neuen Ideen und schöpft dazu aus einem Füllhorn von Produkten der nahen Umgebung, die er zu unkonventionellen und spannenden Gerichten verarbeitet. Er fühlt sich der Region und vor allem seinen Lieferanten besonders verbunden, denn sie ermöglichen ihm beste Grundprodukte für seine Küche. So beginnt er seine Speisekarte an einem Vollmondtag im Juni mit der entsprechenden Bauernregel: „Soll Feld und Garten wohl gedeihn, so brauchts im Juni Sonnenschein.“ Die Speisekarte teilt sich in „Wald und Wiese“ – spannende Gerichte, meist fleischlos – unglaublich, was man aus vermeintlich einfachsten Zutaten zaubern kann. Teil zwei: „Radius 66“ – sprich alle Zutaten kommen aus einem Umkreis von 66 Kilometern rund um Langenlebarn. Das sind sowohl das Rindskotelett vom Fleischer Manfred Höllerschmid als auch die Radieschen von der Lage Zeiseneck. „Aus dem Wasser“ – Fische vom Haimerl aus Traismauer und natürlich die Seite mit den Wirtshausklassikern machen das Ganze mehr als komplett. Wir probierten knusprig gebackene Blunzn mit Schaffrischkäse und Chilikonfitüre von Stekovics. Köstlich. Sehr gut auch die leicht süßliche Sellerie-Crème-brûlée mit wilden Salaten und Steinpilzen. Perfekt sämig und würzig das Floh-Gulasch vom Wienerwald-Rind mit Hauswürstln und Handsemmerl. Sehr gut und saftig auch der Saibling mit den ersten Zucchini ebenso wie die Mangold-Gnocchi mit Schalotten und eingelegten Kirschen. Dass die Desserts allem in nichts nachstehen, ist eh klar. Und um nicht bei Tisch in Stress zu kommen: Wärmstens empfohlen sei das Studium der Weinkarte schon zu Hause auf Flohs Homepage. Sie ist an Tiefe der Auswahl und an kundenfreundlicher Kalkulation nicht zu überbieten. Sehr sympathisch ist auch die jahrelang konstante Servicecrew.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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