Fährst du nach Baden, vergiss die Moderne. In der k. u. k. Kurstadt herrscht seit etwa einhundertfünfzig Jahren das ewige Biedermeier, und so etwas hinterlässt nun einmal seine Spuren. In Franz Pigels 25-Personen-Restaurant etwa in Form einer zuckerlrosa Innenarchitektur Marke Konditorei mittlere achtziger Jahre. Auch in puncto Küchenlinie bleibt Pigel weitgehend wertkonservativ, aber das muss bekanntlich kein Fehler sein, vor allem, wenn man sich an den klassischen Prinzipien der französisch-mediterranen Küche orientiert und sie auch noch so überzeugend ins Österreichische übersetzt. Warum viel Firlefanz veranstalten, wenn man eine derart leichte, fein zitronige Saiblingsterrine mit -kaviar anbieten kann, derart perfekt abgeschmeckte Kalbskutteln in Safran-Tomaten-Sugo, ein so wunderbares Maibockfilet mit sautierten Steinpilzen, Selleriepüree und schwarzen Nüssen? Eben. Das ist gewiss nicht modern oder wahrscheinlich auch nicht sehr zeitgemäß (die Desserts aus dem Spannungsfeld zwischen Crème brûlée, Mousse au chocolat und Sorbetvariation übrigens auch nicht), aber wohltuend gekonnt zubereitet. Und Perfektion sticht überall. Auch in Baden.
Primavera Franz Pigel
Als „romantisches Abendessen zu zweit“ gestaltete sich unser Besuch bei Meisterkoch Franz Pigel – allerdings in mehrfacher Bedeutung, denn außer uns befanden sich nur der Koch und eine für das Service zuständige Dame im Lokal. Schade, denn gerade heute war ganz frische Ware vom Fisch-Kaiser Franz Aibler eingetroffen. Also bestellten wir das Meeresfrüchte-Menü, das mit vier Stück köstlichen Gillardeau-Austern und einem mit Wasabi und Ingwer servierten Stück vom Thunfisch gleich wunderbar begann. Auch die Hummersuppe und die klare Tomatenessenz mit Flusskrebsen hielten das Niveau, während das Sorbet vom grünen Apfel verzichtbar gewesen wäre. Bei den Hauptspeisen zeigte Pigel dann, worum es ihm geht. Atlantik-Seezunge auf Hummer-Nudeln und grünem Spargel sowie Eismeer-Riesengarnelen mit Pak Choi bestachen durch perfekt puristische Zubereitung, die den Eigengeschmack des hochwertigen Grundprodukts betont und nicht verschleiert. Dass großes Gespür und Verständnis für die Weite des Ozeans in der nicht unbedingt für ihre Weltoffenheit berühmten Operetten-Metropole in Zukunft mehr gewürdigt werden, kann man sich also nur wünschen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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