Detailansicht 2012

2011
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Lei Ye, Küchenchef des Shanghai Garten, war einst Eigentümer eines Teehauses in der Megacity Shanghai. Im Gegensatz zu der Millionenmetropole herrscht in Sievering geradezu eine himmlische Ruhe, die auch von den zahlreichen Stammgästen des Restaurants geschätzt wird. Unser chinesisches Dinner startete zunächst mit einer pikanten Suppe, deren reichliche Einlage unter anderem aus Pilzen, Mandeln, Meeresfrüchten, Tofu und Rosinen bestand. Ein Dim Sum – im kleinen Bambuskörbchen serviert – und ein Entenfilet mit Sojasprossensalat überbrückten die Wartezeit bis zu den Hauptgerichten. Ein süßes Potpourri von Tintenfisch und ein ziemlich scharfes Rindfleisch „à la Gongbao“ mit Cashew-Kernen bildeten die Höhepunkte unseres Essens. Die süßen, gebackenen Teigtaschen waren mehr Pflichtübung als Kür, doch wegen der Dessertküche geht sowieso niemand asiatisch essen.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


„Exotisch ist bestenfalls ein Hilfsausdruck für das überwältigende Dekor dieses Lokals, das bis zu den Kalligraphien von Inhaber und Küchenchef Lei Ye persönlich gestaltet wurde. Liebe zum Detail und Lust an Farben-, Formen- und Materialreichtum prägen nicht nur Innenräume und Garten, sondern auch die Speisen. Tadellos waren die gebratenen Jiaozi, halbmondförmige, mit Fleisch und Chinakohl gefüllte Teigtaschen, ausgezeichnet das kalte, geschmorte Rindfleisch mit getrockneter Mandarinenschale. Den gebratenen Tofu in würziger Tomaten-Pilz-Sauce zeichnete seine knusprig-schmelzende Konsistenz aus. Nicht nur schön anzusehen war eine Art Gebirge aus Tintenfisch, Garnelen, Ananas und Melonen, die wunderbar zarten Meeresfrüchte erwiesen sich auch als raffiniert gewürzt. Typisch Shanghai war dabei die leicht süßliche Note der Gerichte. Dass die Küche der Millionenmetropole auch (mittel-)europäische Einflüsse ohne Probleme integrieren kann, zeigte der Spargel in der Sauce des Rindsfilets Gong Bao, das fein geschnitten und mit allerlei Gemüse, Pilzen und Nüssen serviert wurde – ein großartiges Cross-over-Gericht. Einziger Schwachpunkt: die Desserts.

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Shanghai Garten Lei Ye

Zwar liegt dieses Lokal in der Vorstadt und kocht chinesisch, keinesfalls aber fällt es in die Kategorie „Vorstadtchinese“ mit landläufigem Dekor, unendlich vielen Speisen und fragwürdigen Zutaten. Mitten im Villenviertel Sieverings werden hier ein opulentes, aber geschmackvolles Interieur, ein schlichter Garten und hochwertiges Essen geboten. Küchenchef Lei Ye stammt aus Shanghai, dementsprechend stehen Teigtäschchen in großer Vielfalt auf der Karte. Ausgezeichnete gedämpfte Dim Sum sind im Set zu haben, Jiaozi-Taschen mit würziger Fleischfüllung gibt es auch knackig angebraten mit Zwiebeln in der Pfanne. Wirklich anders und spannend in Konsistenz sowie Aromatik war das pikant geschmorte Rindfleisch mit getrockneter Mandarinenschale und frischem Salat – das mürbe Fleisch lag in einem einreduzierten, komplexen Sud, der mit Röstaromen und dezenter Säure beeindruckte. Wer es scharf möchte, hält sich an die zweiteilige Chiliskala und fährt gut mit zartrosa Rinderfilet im Bananenblatt à la Gongbao. Die kleine und trefflich zusammengestellte Weinkarte bedürfte einer Durchsicht, die angegebenen Jahrgänge fallen unter das Prädikat „historisch“ und stimmen nicht mehr.

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