Würde man nur Interieur-Fotos kennen, ginge das in Weiß und Blau gehaltene Einraum-Lokal auch als französisches Bistro durch. Doch der Schmäh ist zutiefst wienerisch, die Karte auch. Eine Gansleinmachsuppe mit Bröselknödel bekommt man nur selten mit so viel Aroma und Fleischeinlage wie hier. Ein Räucherfischsülzchen mit Kräutervinaigrette belegt, dass die Küche auch im subtileren Fach reüssieren kann, die Sulz war zart, die Einlage delikat. Das Kalbsbutterschnitzel mit feinem Saft und Erdäpfelpüree ist ein guter Anwärter für einen der vorderen Plätze im Fach Wiener Klassik. Und beim ausgelösten Knoblauchkotelett mit Butterreis stimmte die Dosierung der würzigen Knolle, so dass man nicht olfaktorisch auffällig das Lokal verließ. Die Powidlpalatschinke mit hauchdünnem Teig schloss den Magen. Aviso: Ohne Reservierung geht hier grundsätzlich gar nichts. Denn wie man als Neuling schnell merkt, ist dieses liebenswürdige Lokal ganz fest in den Händen seiner Stammklientel.
Rudi’s Beisl Christian Wanek
Rudi’s Beisl (der Gründer Rudi war Fußballer zu einer früheren Zeit, als man beim Kicken noch keine Millionen verdiente, sondern sich ein Wirtshaus von seinem Einkommen kaufte) klingt wie ein Schlachtruf gegen Convenience und Gleichgültigkeit. Hier, auf engem Raum, der irgendwie an ein Griechenbeisl oder auch an ein Wiener Bistro erinnert, kriegen die Gäste Wienerisches auf die Teller und das nicht zu knapp. Auch im Hochsommer haben sie die Rindsuppe mit Markscheiben, die Bröselknödelsuppe oder das Wiener Backfleisch, ein zart würziger Traum, gleichzeitig Albtraum des Internisten, denn die Panier nach Pariser Art hatte schon ziemlich etwas vom Fett in der Pfanne mitbekommen. Aber gut schmecken tut es und alles andere ist eigentlich egal. Für die Weicheier unter den Stammgästen gibt es ja Hühnerbrust mit Mozzarella oder Schweinslungenbraten mit Eierschwammerln. Zum Nachtisch Palatschinken mit Mohn oder Marillenmarmelade. Die Weinkarte ist überschaubar, günstigst kalkuliert. Der Service, der die herzliche Gastfreundlichkeit des Patrons perfekt internalisiert hat, hat ein wenig Schwierigkeiten mit dem gleichzeitigen Servieren. Doch niemand stört sich wirklich daran.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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