Der lichtdurchflutete Raum lässt den Besucher im Anblick von Wienfluss und Stadtpark schwelgen. Im Sommer kommt noch die Terrasse hinzu, wo die Hollerblüten zu riechen und Vogelgezwitscher zu hören sind. Kein Wunder, dass hier bereits ab dem frühen Vormittag lässige Stadt-Flaneure ebenso abhängen wie Mamis mit Kindern in Ralph-Lauren-Stramplern und huttragende Konditorei-Damen. Entsprechend vielgestaltig ist die Küche: Zum Frühstück gibt es gebeizten Wildlachs, Beinschinken vom Pogusch und dunkles Brot mit frischer Bauernbutter. Das Gabelfrühstück wird mit saftigem Gulasch mit Kaisersemmel bestückt, ehe zu Mittag die „Klassiker“-Karte eröffnet wird, zum Beispiel mit einem mollig-würzigen Kalbsbeuscherl mit Schnittlauchknödel oder dem in Butterschmalz gebackenen Wiener Schnitzel (das im heiß umfehdeten Ranking der Besten der Stadt ziemlich weit oben rangiert). Nachmittags kommen Apfel- oder Milchrahmstrudel frisch aus dem Ofen. Abends steht ein Viergangmenü auf der Karte. Und dazwischen wartet noch die zum Markenzeichen hochstilisierte, über hundert Sorten starke Käsevitrine. Das alles summiert sich zu einer recht eindrucksvollen Genuss-Formel – wobei es wohl unausbleiblich war, dass sich in das ehrgeizige Früh-bis-spät-Konzept ein wenig allzu glatte Routine einschlich. So schmeckte die gefüllte Kalbsbrust trotz Pilzen in der Fülle und beigelegtem Bries schlichtweg fad. Das Entenhaxerl hingegen wurde schön saftig geschmort und mit einem flaumigen, nicht unspannenden Erdäpfel-Mohn-Püree sowie einer tadellosen Frühlingszwiebel-Tarte angereichert.
Meierei im Stadtpark Familie Reitbauer
Wie die Zeit vergeht. Vor ein paar Jahren war das Ambiente in Grün und Weiß der Aufreger unter den Wiener Feinschmeckern. Jetzt, leicht angeschrammt, genießt es schon fast irgendwie Kult-Charakter. Wunderbar für ein ausgiebiges Frühstück oder noch besser ein schönes Mittagessen. Auch für Gäste, die am Wochenende, wenn das große Steirereck einen Stock drüber geschlossen hat, Entzugserscheinungen kriegen. Der Service hat sich im Vergleich zu früher stark verbessert und ein extrem inhomogenes Publikum doch recht gut im Griff. Die Küche wirkt wie eine junge Ausgabe des großen Bruders, ist aber eigenständig, arbeitet mit guten Produkten und macht immer wieder Freude. Ein Ritschert mit Ente, sehr gut. Ein Grammelknödel, wunderbar. Das Beuschel, wie immer, mit dem unnachahmlich dottergelben Knödel. Das Wiener Schnitzel, sowieso fast perfekt. (Kennen Sie ein perfektes Schnitzel? Eben.) Eine gefüllte Kalbsbrust, je nach Angebot, oder ein gutes Stück Reh mit winterlichen Gemüsen. Nichts, was den guten Eindruck stört. Ein köstlicher Kaiserschmarren zum Abschluss. Die Weinkarte? Wem die Auswahl in der Meierei, die ja eigentlich früher ein Käse- und Milchmehlspeisen-Lokal war, zu klein ist, fragt einfach nach der Karte vom Steirereck. Schließlich: Es muss nicht immer Milch sein. Übrigens wird das Vergnügen, sich hier zu günstigen Preisen verwöhnen zu lassen, in der warmen Jahreszeit durch einen kleinen Garten noch gesteigert.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Kommentare werden geladen...