Donauwalzer, Kaiserwalzer, Wiener Blut – die Best of Johann-Strauß-CD, die in Endlosschleife die Hintergrundmusik besorgt, weckt Assoziationen an einen AUA-Flug. Gedeck und Gruß aus der Küche erinnern an Economyclass: angetrocknete Brotscheiben, Liptauer, eine Art Cremeschnitte vom Spargel, die auch als Dessert durchgehen würde. Man wundert sich ein wenig – ist man doch im renommierten Hotel Sacher gelandet. Die Kohlrabischaumsuppe wäre an sich sehr gut gewesen, die gummiartigen Froschschenkelstückchen nicht. Brust und Keule vom Stubenküken mit „Stangenzeller“ und Lindenblüten waren schön präsentiert und schmeckten ebenso. Hervorragend war das Kalbsbries auf einer noch besseren Erbsencreme, ganz köstlich, saftig und fein der Waller, souverän Black-Angus-Schulterscherzel und Steak. Fast hätte man den etwas holprigen Start wieder vergessen, dann schrammte das Dessert hart an der Bruchlandung vorbei: Ein „Schokoladekugel“, gefüllt mit einer Hand voll schlampig geschnittener, geschmacklich indifferenter „Grüntee-Financier“-Würfeln. Ein sanfter Schub in der Küche, dann würde einem Höhenflug nichts im Wege stehen.
Sacher - Restaurant „Anna Sacher“ Familie Gürtler
Die prominent besetzte Besuchergalerie beim Eingang – großteils schwarz-weiß, über weite Strecken blaublütig – erweckt leider einen falschen Eindruck: Im grünen Sacher-Restaurant wird, Tradition hin, Plüschbarock her, ausgesprochen modern, zum Teil sogar gewagt gekocht. Und dass Geschmack auch eine visuelle Angelegenheit ist, braucht man im Sacher ohnehin niemandem zu erklären: Die Kombination von zartem Welsfilet, Morcheln, Heurigen und Holundercreme sah nicht minder bezaubernd aus als das Duo vom Kalbfleisch (geschmort und als Tatar) mit Topfensoufflé und Kakao. Leider, altes Problem: die Summe war dann doch ein bisschen weniger als die – an sich perfekten – Teile. Wesentlich harmonischer die Zwischengänge: da ein kräftiges Spargeleis mit geräucherten Gänseleber-Hobeln und Vanillekrapferln, dort eine hochkonzentrierte Paradeiseressenz mit Langustenraviolo und Kerbel. Zum Hauptgang wurde es wieder kontrastreicher: Bressetaube mit Erbsen und Papaya, Kaninchen mit Hummerkrautfleckerln und Liebstöckel – gewagt, gewonnen. Und in puncto Patisserie ist man hier sowieso im siebten Himmel. Allein der Rhabarberstrudel, ganz große Oper!
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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