Das Interieur mit seinen Lederbänken, dem Kamin und dem warmen gelben Licht verströmt toskanisches Flair. Doch davon abgesehen erinnern nur mehr der Name und die Weinkarte daran, dass das Novelli dereinst sein Dasein als Edel-Trattoria begonnen hat. Was Küchenchef Konstantin Filippou hier zelebriert, ist vielmehr große, im besten Sinn internationale Küche: präzise komponierte Gerichte, die gekonnt vielfältige, oft sogar widersprüchliche Aromen und unterschiedliche Texturen zu harmonischen Einheiten verbinden. Als Orientierungshilfe hat Filippou seine Gerichte nach dem Grad ihrer Ausgefallenheit in drei Gruppen – zwei Menüs „Novelli Classico“ und ein „Nuovo Puristico“ – sortiert. Noch eher klassisch präsentierten sich die Campanelle: hausgemachte Pasta, mollig von Pilzfond, Scamorza und Mascarpone umhüllt – ein Beleg, dass handwerkliches Können an scheinbar einfachen Gerichten am schnellsten sichtbar wird. Manches wirkt auf den ersten Blick so filigran, als könnte es gar keine geschmackliche Dichte aufbringen, aber weit gefehlt: Die Entenleber kam als gar nicht üppiges Parfait, begleitet von sanft-süßem Birnenmus, karamellisierten Haselnüssen und Pancetta. Puristisch im Ansatz, dann aber raffiniert überhöht das Gericht Sepia & Schnecken: Das Kriechtier war knusprig frittiert, der Tintenfisch zum Tatar gehackt und kräftig gewürzt, aber mit Bedacht auf die Aromen des Petersilien-Weißweinsuds. Zur confierten (und solcherart unendlich zarten) Wachtelbrust traute sich Filippou, simplen Karfiol zu reichen, wie sich herausstellte, eine zunächst irritierende, dann beglückend gelungene Symbiose. Lediglich das gebratene Steinbuttfilet hätte ein bisschen mehr Esprit vertragen: In Kombination mit farblich identem Selleriepüree war es schon optisch eine reichlich pastellige Erscheinung, am Gaumen wurde der Eindruck der kraftlosen Milde verstärkt. Dafür umso erquicklicher das Schokodessert: ein abgestimmtes Potpourri aus Valrhonasavarin, weißem Schokoeis und einer Schokohippe, denen säuerliche Mandarine und süße Passionsfrucht die Stirn boten.
Novelli HFC Gastronomie GmbH
Unter Küchenchef Konstantin Filippou zeigte die Novelli-Küche während der vergangenen zwei Jahre eine Performance, wie es sie in Wien bis dahin nicht gegeben hatte: eine im weitesten Sinne mediterrane Küche, die aber keine Scheu davor hatte, an die Grenzen zu gehen und diese auch auszuloten. Man fand da Einflüsse der großen modernen Meister aus Nordspanien und England, bei denen Filippou regelmäßig hospitiert, Experimente sowohl mit Zutaten als auch Konsistenzen. Mit September 2011 trennte man sich, die Gourmet-Linie, die wir noch probierten, soll in Zukunft nur mehr auf 20 Sitzplätzen stattfinden, realisiert von der bisherigen Küchenmannschaft. Entenleber in einer hauchdünnen Birnen-Rolle, ein bisschen Mohn, Birnen-Carpaccio mit Pancetta-Staub – exzellent, aber noch nicht ganz am Ende der Konzeptionsphase, anders als Belon-Auster mit Saibling, der Fisch ganz zart gedämpft, die Auster in ihrer vollen Aromastärke, kombiniert mit süßlichen Rüben und Vichyssoise, grandios. Oder Sepia mit Schnecke, knusprig die Land- Molluske, intensiv der Tintenfisch, dazu noch ein aromatisch- explosiver Seeigel-Fond und kleine mit Sepia gefüllte Gurken-Rouladen, deren handwerkliche Kompliziertheit in Worten nur schwer zu beschreiben ist. Großartig. Sehr überzeugend auch die Kombination von Entrecôte und Bœuf bourguignon mit Lardo, geschmorten Karotten und gefüllten Käsegnocchi – vom Garpunkt bis zur Würzung stimmte alles bei diesem Gericht. Und wenn es vielleicht ein paar Pürrees weniger sein könnten, dann wäre das auch nicht schlecht, aber auf das Salzmandel- Eis zum buttrigen Bananencreme-Brioche würden wir ungern je wieder verzichten. Aufgrund der unklaren Situation bei Redaktionsschluss mussten wir die Bewertung für dieses Jahr leider aussetzen.
Höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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