Detailansicht 2012

2011
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Nicola d'Atri, mit seiner Osteria d'Atri einer der erfolgreichsten Botschafter der italienischen Küche in Wien, erweiterte seine Missionstätigkeit anno 2008 um ein elegantes Ristorante. Das gab großes Getöse und großes Gedränge; beides ist inzwischen abgeklungen, was man als Gast nur begrüßen kann. Denn an der Substanz hat sich nichts geändert: Die Standards der italienischen Regionalküchen werden hier konsequent auf Spitzenniveau gehoben, garniert mit ein paar Ausreißern ins Spektakuläre. Das zeigte sich schon bei den Vorspeisen. Das Vitello tonnato handwerklich perfekt, zart und subtil, im Vergleich aber dennoch chancenlos gegen die fangfrischen Seeigel: in der Schale serviert, mit einem Hauch Zitrone gewürzt, intensiv, delikat – feinste Hafenstimmung in der Dorotheergasse. Stimmig auch der Zwischengang, hausgemachte Bucatini mit Sardinen in fruchtig-intensivem Safran-Pignoli-Sugo. Dem folgte eine mächtige, mutig gegarte Bistecca alla fiorentina: 1,2 Kilogramm resche, rote Fleischeslust, dazu einen autochthonen apulischen Rotwein aus der Magnumflasche. Wären wir noch nicht zur Italianità bekehrt, wir wären es spätestens jetzt.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Das zweite Lokal (neben der Osteria d’Atri in der Schauflergasse) im Familienimperium von Nicola d’Atri ist ein typisches Ristorante, wie es auch in Grado, Rom oder Frosinone stehen könnte. Ein bisschen Edelkitsch – herumliegende Kürbisse, Ziegelwand, dekorative Weinflaschen – gehört da ebenso dazu, wie die lebhaften Südländer-Manierismen der Kellner und der hohe Standard der Tischkultur: blütenweiße Stoffservietten, noble Weingläser. Die Küche ist klassisch-italienisch auf hohem Niveau. Der apulische Einschlag, den der Patron stets hervorhebt, schlägt nicht allzu sehr durch, lediglich in einem Teil der sehr interessanten Weinkarte und mitunter in einzelnen Gerichten – bei unserem Besuch etwa Frutti di Mare mit dicken Venusmuscheln und Meerestrüffeln sowie köstlichen Orecchiette mit dem brokkoliähnlichen Cime di Rapa (Stengelkohl, Anm.). Eine saftig dicke Schnitte vom Branzino überzeugte trotz langweiliger Gemüsebegleitung. Sehr zu loben ist die Angewohnheit, großen Braten im Ganzen zuzubereiten, was uns ein würzig-aromatisches Stück von der Lammkeule bescherte.

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Il Melograno

Gleich neben dem Dorotheum fühlt man sich im Melograno wie in Italien. Das Ambiente mit den zahlreichen (leeren) Weinflaschen und die samt und sonders aus dem südlichen Nachbarland stammenden Kellner sorgen für das passende Urlaubsfeeling. Das Angebot – je drei Vorspeisen, Pasta und Hauptgerichte – wird mündlich verkündet, wobei manches mehr, manches weniger gelingt. So standen sich zu Beginn eine tolle Burrata mit feinstem, löffelweichem Büffelmozzarella und langweilige gratinierte Scampi (hauptsächlich Panzer und kaum Fleisch) mit einer Jakobsmuschel gegenüber. Nicht versäumen sollte man hier eine kleine Pasta zwischendurch, die apulische Küche bietet Schmackhaftes al dente in abwechslungsreichen Varianten an. Das dann nur mit Verdura mista servierte Rindsfilet geriet besonders saftig. Auch das Bistecca fiorentina hatten wir schon lange nicht mehr in solcher Qualität bekommen. Vor den nicht weiter auffälligen Dolci – sehr fein die Panna cotta – empfiehlt es sich, der kleinen Käseauswahl zuzusprechen, da die Ware meist in hervorragendem Reifezustand präsentiert wird. Und wer weinmäßig trotz des recht guten Angebots nicht in Italien bleiben will, kann sich sogar über zwei Jahrgänge des F.X. Pichler'schen Riesling Unendlich freuen. Fazit: tolle Qualität, einfach, ehrlich, erfreulich.

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