Josef Fadingers bescheiden wirkendes Restaurant passt vielleicht wieder genau zu unserer Zeit: Nach den Schäumchen, Lounges und Designer-Lokalen ist das schlichte Konzept sehr sympathisch, zumal dahinter einfach das Küchen-Handwerk des Josef Fadinger steckt. Das von ihm zusammengestellte Menü wirkte wie eine Erinnerung an die gute alte Zeit. Es begann mit einer pikanten Bärlauch-Ricotta-Terrine mit aromatischer Peperonata, dann folgte ein interessanterweise einmal gebratener Kalbstafelspitz mit Rosmarin auf Grünspargel-Tagliolini, das Fleisch keineswegs hart, geschmacklich sehr schön. Die Seeteufelmedaillons mit Prosciutto gebraten auf Artischocken-Risotto zeigen, wie stark und logisch italienische Einflüsse in der Wiener Küche sind. Denn dass Fadinger die beherrscht, daran besteht kein Zweifel. Das Beiried in Rotweinsauce mit Schalotten, Jungspinat und gratinierten Erdäpfeln bewies den perfekten Umgang mit dem Fleisch – perfekt saftig, rosa und weich. Die marmorierte Schokolademousse mit Portweinkirschen fiel uns ein bisschen zu süß aus. Die Vanille-Crème brûlée mit Himbeeren hingegen war ein perfekter Abschluss.
Fadinger Josef Fadinger
Hat man den Eindruck, die Zeit sei in einem Lokal stehen geblieben, kann das auch positiv sein. Im Fadinger eher nicht: Lokal und Dekoration wirken angejahrt, Teller und Besteck sind reif für den Flohmarkt. Ob das Serviceteam schon immer so lustlos agierte, weiß man hingegen nicht. Selbst das Frühlingsmenü wirkt veraltet, Entenbrust mit Orangensauce weckt weihnachtliche Assoziationen. Also à la carte. Die Tagliolini in Busara-Sauce mit Steingarnelen-Fragmenten gelangen tadellos, die prächtige, im Ganzen servierte Garnele auf dem Nudelberg hingegen war zu lange gebraten und dementsprechend bissfest. Ähnlich das Seesaiblingsfilet mit grünem Spargel: totgebraten, trocken, trist. Das blutig bestellte Entrecôte: außen grau, innen blass, im Biss zäh. Die Pinienkerne im Spinat waren seifig, das lieblos auf den Teller gepatzte Erdäpfelpüree ging einigermaßen. Das Zartbitterschokoladenparfait: ein Schokolade-Eisziegel mit starker Alkoholnote. Ein Lichtblick war immerhin die herrlich seidige Mandel-Crème-brûlée. Geschmacklose Erdbeeren sorgten für einen wässrigen Gruß aus Spaniens Folientunneln zum Abschluss.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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