Man muss Gastronomen vom Schlage eines Fabio Giacobello Dank zollen. In einer Zeit, in der sich reihenweise Köche und Wirte von der Spitzengastronomie abmelden, hält er mit niemals nachlassender Energie die Stellung und liegt ganz vorne unter den besten Restaurants der Stadt. Natürlich ist das Fabios eine Hochburg von Schick und Mick, nicht mit allen Gästen möchte man unbedingt den Abend in einem Raum verbringen. Doch viel stärker als die Strahlkraft mancher der sich selbst zu wichtig nehmenden Gäste ist das Lokal selbst. Die Architektur ist aufregend wie am ersten Tag, das Serviceteam sucht seinesgleichen, und die Küche weiß, was sie dem Ruf des Lokals schuldet. Hier gibt es keine abgehobenen Kompositionen und keine Experimente, hier gibt es fast ausnahmslos stimmige Kreationen aus kundiger Hand. Wir starteten mit dem knusprigen pochierten Ei auf gekochten Spinatblättern mit Trüffelcreme und schwarzer Trüffel, einer mild-würzigen Melange von Geschmäckern. Von aromatisch kräftigerer Statur waren die Cannelloni al pepe auf dünn geschnittenem toskanischen Kalbskopf mit Pecorino. Als belanglosestes Gericht des Abends erwies sich das zu durch gegarte Filet von der Seezunge auf eigenartiger Safranreiscreme mit gedämpften Venusmuscheln und Kräutern. Die Muscheln brachten gerade einmal einen Hauch Pep in das sonst eher dröge Ensemble. Ein Klassiker des Hauses ist die zart gegarte Perlhuhnbrust mit Morcheln und gebratenen Cime di rapa pugliesi, einem dem Brokkoli verwandten Gemüse. Einen wunderbar süßsäuerlichen Abschluss gaben die feine, mit braunem Zucker karamellisierte Tarte von Äpfeln und hausgemachtem Vanilleeis sowie die butterzarte kalte Schokoladetarte mit Passionsfruchtsorbet.
Fabios Fabio Giacobello
Fabio Giacobello ist es in den letzten Jahren gelungen, sein Restaurant zu einer fixen Institution der Wiener Gesellschaft zu machen, wobei die Zutaten des Erfolges recht einfach festzumachen sind: Da ist die geniale Lage an einem der Schnittpunkte der City, das lässige Ambiente in dunkel vertäfeltem Lounge-Stil. Und natürlich die Anlage des Speisesaals, der wie eine Bühne in die Fußgängerzone ragt – ein Effekt, der in der warmen Jahreszeit durch die geöffneten Glasfronten noch verstärkt wird. Geradezu ideal für Reich & Schön, Mächtig & Wichtig, um zu sehen und gesehen zu werden. Da kann das Essen ganz leicht zur Nebensache werden. Solange so etwas auf die Küche nicht abfärbt, ist das auch in Ordnung. Bei unserem Besuch hatten wir allerdings den Eindruck, dass dieser Erosionsprozess bereits begonnen hat: Statt einem Gruß aus der Küche kam etwa nur ein Ensemble aus Brot und Maisfladen mit einem Schälchen Olivenöl. Die Speisenauswahl – gehobene italienische Küche mit einer saisonalen Tageskarte – wirkte noch ambitioniert, die Umsetzung war jedoch von gelangweilter Routine durchzogen. Das Tatar vom Thunfisch auf Avocado, Melone und gerösteten Pistazienkernen mit Limettenmayonnaise: gemessen an der Wucht der Zutaten enttäuschend geschmacksarm. Der karamellisierte Oktopus, angerichtet in einem hübschen Block mit Erdäpfeln und Minzpesto, schmeckte sehr fein, litt jedoch an der Fadesse der Beilagen. Der Lammrücken auf Zucchini-Couscous war von überraschend mittelmäßiger Fleischqualität, die Tagliata vom Kalbsrücken auf Kräuterpolenta hatte wohl etwas zu lange im Ofen verbracht: Sie war alles andere als rosa, sondern komplett durch und ein bisschen trocken. Auch die Desserts hatten eher durchschnittliche Qualität, was uns am Ende sicher machte: In kulinarischer Hinsicht ist das Fabios – zumindest derzeit – schwer überschätzt.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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