Mit seinem stilvollen Gewölbe und den Stichen an den Wänden verströmt das kleine Lokal in der Sonnenfelsgasse Altwiener Behaglichkeit. Doch die zeitlose Gediegenheit trifft nur auf das Ambiente zu: In der Küche steht mit Tommy Möbius ein kreativer, ständig vorwärts drängender Koch mit Ehrgeiz und Eigensinn, ein Tüftler. Etwas verwirrend bei unserem letzten Besuch war allerdings, dass sich auf der Karte sowohl geradlinige, klassische Gerichte als auch raffinierte Kreationen fanden – offenbar sollen hier zweierlei Stilrichtungen gleichzeitig bedient werden. So waren das Carpaccio vom Angusrind mit Senfsauce, die Frühlingssalate mit Passionsfruchtdressing oder die gebratene Rheinanke mit Spargel genau das: hervorragende Grundprodukte in bewährter Form, handwerklich solide präsentiert. Dagegen zeigte das Kalbsbries mit Vanille und krauser Petersilie Witz und Meisterschaft: zarte Konsistenz, das exotische Aroma perfekt eingebunden. Das in Olivenöl geschmorte Hauskaninchen kombinierte das Fleisch von der Keule mit der Leber des Tierchens und einer aufwändig kleinteiligen Mischung von gebratenen Gemüsen. Auch bei der Renaissance des Schweinernen in der Top-Gastronomie ist Möbius dabei, er kombiniert die herzhaft geschmorte Schweinsschulter mit Zitrone und Frühlingsgemüse. Erwähnt sei, dass das Lokal unverändert eine Fundgrube für preisgünstige, gereifte Weine darstellt – und dass die önologische Erfahrung von Patron Walter Bauer die beste Hilfe bei der schwierigen Auswahl darstellt.
Bauer Walter Bauer
Warme Farbtöne zwischen mit weißem Stuck akzentuierten Gewölberippen, altmeisterliche Stiche und Stillleben sowie unaufdringlich omnipräsenter Service entfalteten den selten gewordenen Charme konservativer Gediegenheit, die in apartem Gegensatz zur genialen Eigenwilligkeit von Tommy Möbius stand, der seine Höhenflüge gerne mit schnurrigen Einlagen wie Leberkäse als Gruß der Küche würzt. Die letzthin festgestellte Parallelität von klassischer und kreativer Linie war diesmal der gelungenen Synthese dieser Stilrichtungen gewichen: Da setzten bei der Gänseleber grüner Spargel und Haselnüsse ungewohnte Akzente, da gerieten die Bärlauchravioli zur Ehrenrettung dieser andernorts viel zu oft zu zähen Teigmonsterchen verkommenen Spezialität und da wurde die Sepia zum Füllhorn frühlingsbunter Aromenvielfalt. Der „Zwiebelrostbraten 2011“ erwies sich als Apotheose eines Trivialgerichtes und auch die verwegenen Spareribs von Steinbutt und Schwein vermochten zu begeistern. Im Vergleich damit wirkte die finale Valrhonaschokoladetarte dann geradezu bieder. Wer sich jede Menge Qual der Wahl ersparen will, kann getrost den Weinempfehlungen des Hauses vertrauen.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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