Im Vorjahr erlaubten wir uns, die fade pastellgrün-hellhölzerne Gestaltung dieses Allzweckraums zu kritisieren. Heuer speisten wir in ganz anderem Ambiente. Die Hotelleitung nimmt den Aufwand auf sich, das Lokal jeden Abend quasi umzuziehen, Rollos, Hussen und Accessoires sorgen für intimere Atmosphäre. Auf dem Teller stellten wir dagegen fest, dass die Linie einer aromatisch dichten Küche erhalten blieb, die Präzision aber teils nachließ. Der sehr feine Hummer hatte mit der säuerlich-intensiven Phalanx von Physalis, Fenchel, Estragon und Ingwer zu kämpfen. Der Lachsforelle ging es mit Radieschen, weißem Spargel, Erbsen, Bärlauchfond da schon besser, auch weil mit dieser penetranten Pflanze gekonnt umgegangen wurde. Bei den Hauptgängen das gleiche Spiel, der Steinbutt war Kärntner Speck, Salbei, Polenta und Frühlingszwiebel geschmacklich kaum gewachsen, der zarten Entenbrust ging es mit Erdäpfelrolle, Morcheln, Lauch und Kerbel bestens. Die Desserts machten vieles wett, besonders gelungen war die Beeren-Mille-feuille mit Tonkabohnencreme und einem Sorbet von Calamansi-Limetten. Übrigens: In der völlig wirr aufgebauten Weinkarte etwas zu finden, ist eine Kunst.
At Eight F&B-Direktor Siegfried Pucher
Das Restaurant des modernen Ablegers „The Ring" des schräg gegenüber gelegenen Grand Hotels behauptet sich recht gut. Die stylische Verwandlung vom Lunch-Bistro ins Abendrestaurant „At Eight" ist ein PR-Gag, die Atmosphäre bleibt auch zum Dîner légère. Küchenchef Daniel Krafts Anliegen – um zum kulinarischen Teil zu kommen – sind die Aromen und deren Herausarbeitung bei allen Gerichten. Er bezeichnet seine Speisen nicht mit irgendwelchen komplizierten Namenskombinationen, sondern schlicht nach den eingesetzten Produkten. Preistechnisch (vor allem die Vorspeisen und Desserts sind nicht gerade günstig) empfiehlt sich die beliebig kombinierbare 3-5-Gang-Menü-Variante (die Kleinheit der Portionen verhindert Übersättigung). Ein carpaccioartig hauchdünn geschnittener Kalbsrücken mit Wiener Weinbergschnecken, geschmacklich irgendwo zwischen Blutwurst und Jakobsmuschel anzusiedeln, Petersilie, Gnocchi und gewagten, das Ganze aber bestens ergänzenden Radieschen bewies ebenso wie der krosse Seesaibling mit schwarzen Nüssen, einem Hauch von Vanille und Ricottaravioli auf Karottencreme (nur den wilden Spargel konnten wir nicht entdecken) das weiterhin bestehende Zwei-Hauben-Niveau der Küche. Nach einem köstlichen Sorbet von der Charentais-Melone mit Kokosnuss und nicht so ganz gelungenen gebackenen Holunderblüten folgte noch ein – das Couvert von € 4,- letztlich rechtfertigendes – Post-Dessert in Form einer Himbeerpraline und zweierlei Törtchen und Schäumchen. Der aufmerksam-höfliche und geschulte Service bedürfte bei vollem Haus einer Verstärkung. Das glasweise Weinangebot ist überteuert und qualitativ wie mengenmäßig ausbaufähig.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...