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Leon Christoph Neuscheller

Wer Schloss Leonstain nur von außen kennt, wäre wohl überrascht, dass sich im Inneren des altehrwürdigen Gemäuers ein Lokal in modernstem Design befindet, dessen Coolness nur durch die übertriebene Anzahl an Tischen gestört wird. Die Privatsphäre leidet etwas, wenn man sprichwörtlich Rücken an Rücken mit dem Nachbarn sitzt. In der Küche kam es übers Jahr zu einem Wechsel, Ex-Küchenchef André Stahl kocht mittlerweile im Caramé in Velden, mit Christian Flaschberger konnte aber ein kompetenter Nachfolger engagiert werden. Mit einem falschen Carpaccio aus Roten Rüben schloss er an die originellen Kompositionen seines Vorgängers an, Schafsfrischkäse und gebratene Pignoli harmonierten wunderbar mit den leicht süßlichen Rüben. Konzepttreue bewiesen die Kräuter-Ravioli mit karamellisierten Zwiebeln und gebratenen Kalbskopfwürfeln, sie bildeten ein geschmackliches Gesamtkunstwerk. Sensationelle Qualität zeichneten darauf die Filetspitzen in einem Schwammerlgulasch aus, das man frei nach Platon wohl als „das“ Schwammerlgulasch bezeichnen darf. Lediglich beim Dessert, flaumigen Topfenknödeln mit Marillenröster, fehlte uns das gewisse Etwas.

Schon Johannes Brahms wusste die Annehmlichkeiten des Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Schlosses zu schätzen. Heute glänzt das Leonstain nicht nur mit seinen komfortabel eingerichteten Zimmern und Suiten im Biedermeier- und Landhausstil sowie einem entspannten Beachclub, mit ansprechend zusammengestellten Packages – wie etwa „Golf till you Flog oder „Just Lovers – lockt man auch gezielt urbanes und internationales Publikum zu einem Kurzurlaub an den Wörthersee.

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geschrieben von am 30.09.2009
Ein Abendessen am 18. September 2009 im Schloss Leon hielt der Bewertung des Gault Millau-Fuehrers bei weitem nicht stand. Anstatt der vom Gault Millau erwaehnten (oder aehnlichen) Köstlichkeiten gab es u.a. altbackenes, rekordverdächtig zähes und ranzig schmeckendes Wiener Schnitzel.

In einer nachfolgenden E-mail Korrespondenz teilte mir das Restaurant mit, man habe dieses Jahr eben keinen Haubenkoch engagiert und die neue "Philosophie" (sprich den stark reduzierten kulinarischen Anspruch) auf der Speisekarte beschrieben. Ein derartig starker, offensichtlich bewusst herbeigefuehrter Verfall des Standards verpflichtet ein Restaurant aus meiner Sicht, den Kunden schon vor Ankunft im Restaurant darueber in Kenntnis zu setzen - z.B. durch eine Anmerkung auf der Gault Millau Website und/oder beim Telefonat zur Tischreservierung. 0 Hauben, 0 Punkte und ein gerade auf Grund der enttäuschten Erwartungen sehr unangenehmer Nachgeschmack.

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